Suse Bruha arbeitet seit über 20 Jahren als Journalistin für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Coronazeit war für sie intensiv. Als Journalistin fiel sie unter die sogenannten systemrelevanten Berufe und arbeitete mehr, als ihr eigentlich lieb war. Nach der Pandemie kam die große Erschöpfung und der Wunsch nach Veränderung.
Noch vor Corona war Suse bei einer Info-Veranstaltung von Flipped Job Market. Sie fand das Konzept toll, drehte einen Fernsehbeitrag darüber und meldete sich ein Jahr später selbst für den Kurs an. Parallel zum Beruf hatte sie sich lange mit Psychologie beschäftigt, Selbsterfahrungsworkshops gemacht und eine Ausbildung zur Trainerin für gewaltfreie Kommunikation absolviert.
Schon bald baten Menschen aus ihrem Umfeld sie um Beziehungsrat und Tipps für persönliche Entwicklung. Die Rückmeldungen, die Suse bekam, waren sehr positiv. Man schätzte ihre empathische, reflektierte Art. „Da ging schon so lange meine Freude hin. Ich wollte einfach mal rausfinden, ob ich damit nicht auch beruflich etwas anstellen kann. Ich hatte schon viel reflektiert und hoffte bei Flipped Job Market das alles mal sortieren zu können.“
Im Rahmen des FJM-Kurses fokussierte sie sich auf ihre Stärken, ihre Werte und die Frage, in was für einem Umfeld sie arbeiten möchte: „Auf diese intensive, zeitlich komprimierte und verkörperte Art hätte ich mir das allein nicht erarbeiten können.“ Als der Kurs vorbei war, ließ Suse das Ganze erstmal sacken und genoss es keinen Druck zu haben sich beruflich verändern zu müssen. Neben der Arbeit folgte sie weiter ihrem Gerne, machte eine Ausbildung zur Sterbebegleiterin und zum Coach.
Ermutigt vom Feedback einer befreundeten Psychotherapeutin, druckte sie Flyer und bot ihre Dienste auf Spendenbasis als Beziehungscoach an. „Einfach mal machen und nicht alles zerdenken“, sagte sich Suse, die einen unkonventionellen Lebenslauf hat: Schule abgebrochen, ins Ausland gegangen, später das Abitur nachgeholt und durch ein Volontariat beim Radio zum Journalismus gekommen.
Bald klopfte die erste Klientin an ihre Tür, kurz darauf das erste Paar. Sie kamen immer wieder, andere folgten auf Empfehlung. Inzwischen coacht und berät Suse Paare und Einzelpersonen, die in Krisen stecken oder große Veränderungen durchmachen. „Das Tolle ist: Ich brauche mich mit der Akquise gar nicht anzustrengen, die Klient:innen kommen auf mich zu“, so Suse, die ihre Begleitung in Eberswalde und Berlin anbietet.
Im Laufe eines Jahres ist aus ihrem Angebot ein zweites berufliches Standbein geworden. Es bereitet ihr große Freude mit Menschen in Kontakt zu sein, ganz in Ruhe, offline. Ihren Job als freie Mitarbeiterin beim Rundfunk schätzt sie weiterhin sehr: „Ich bin dadurch finanziell nicht vom Coaching abhängig und habe eine gewisse Leichtigkeit. Ich glaube das überträgt sich auf die Menschen, die zu mir kommen.“
Damals, im FJM-Kurs, hatte Suse sich ihren idealen Tag vorgestellt: ein schönes Büro in einem Tinyhouse in der Natur, mittags einen Kaffee mit ihrem Freund trinken. Dabei dachte sie an einen Schreibtisch und journalistische Texte. Inzwischen hat sie sich in Eberswalde einen eigenen Coachingraum eingerichtet und verbringt die Mittagspausen tatsächlich mit ihrem Partner in der Natur. Die Vision hat sich erfüllt, weil sie ihrem Gerne gefolgt ist und einfach mal gemacht hat.