Es braucht überhaupt keinen Mut zum Jobwechsel!

Seit ich von der Blogparade „Mut zum Jobwechsel“ (von Melanie Vogel von Futability) gehört habe, frage ich mich: Warum zum Kuckuck braucht es eigentlich Mut, um den Job zu wechseln?

Und je länger ich darüber nachdenke und Menschen beim Jobwechsel begleite, halte ich das wirklich für eine schwierige Formulierung. Ich denke , dass das wie mit dem Motivieren ist: Man kann nicht andere Menschen motivieren. Von außen kann man andere höchstens dabei unterstützen, die intrinsische Motivation zu entdecken und zuzulassen.

Angelehnt daran stelle ich hier also die auf den ersten Blick gewagte These auf:

Es braucht überhaupt keinen Mut zum Jobwechsel!

Damit es kein Missverständnis gibt: Dass Menschen Angst vor Veränderung haben, also auch Angst vor einem Jobwechsel, das begegnet mir in der Tat häufig. Man könnte sogar sagen, dass ist mein täglich Brot bei Flipped Job Market.

Aber brauchen diese Menschen wirklich Mut? Würde ihnen Mut da was nützen? Würde es helfen, sie brächten Mut auf, um zu kündigen? Um dann den Mut zu fassen, nach einem neuen Job zu suchen?

Ich behaupte: Nein. Die wenigsten von ihnen brauchen Mut. Ich erlebe: Was die meisten von ihnen brauchen, das ist Lust! Lust auf Veränderung. Lust auf was anderes. In diesem Fall Lust auf einen anderen Job.

Haha, sehr witzig. Voll lustig. Voll Lust auf Unsicherheit, aufs Ungewisse, vielleicht sogar auf Arbeitslosigkeit. Super Idee. Schönen Dank auch.

Aber ich mein das wirklich ganz ernst. Ich behaupte sogar, dass es noch nicht mal so schwierig ist. Es braucht häufig nur einen klitzekleinen Umweg, um Angst in Lust umzuwandeln. Und dieser Umweg geht so (und Ihr könnt ja mal für Euch selbst testen):

“Okay. Keine Veränderung, klar, kein Problem. Dann lassen wir das alles mal einfach so stehen. Du kannst ganz gechillt bleiben und brauchst nichts zu verändern. Stell’ Dir das gern mal ganz konkret vor. Nichts ändert sich. Und in drei Jahren bist Du einfach exakt genau da, wo Du jetzt bist. Du hast nicht daran gerührt.”

Dann geht es los. Da kommt als erstes diese neue, die viel stärkere Angst auf. Was? In drei Jahren immer noch bei dieser Chefin? Mit diesem Kollegen in einem Raum? Für dieses Unternehmen? Für dieses Produkt?! So viel Stunden meines Lebens! Bist Du des Wahnsinns?!! Alles, bloß nicht das!

Und dann kann man häufig geradezu dabei zusehen, wie die Angst vor Veränderung in eine Angst vor Nicht-Veränderung umschlägt und sich in unbändige Lust auf Neues, auf Veränderung, umwandelt!

Also. Dann doch lieber ab ins Ungewisse. Mit zumindest der Chance auf einen besseren,  passenderen Job. Hauptsache nicht an dem jetzigen festhalten, der ziemlich sicher nicht das ist, was ich möchte.

Ich bin grad so im Fluss, dass ich mich grad sogar soweit versteigen und behaupte, dass es manchmal geradezu mutig wäre, im alten Job zu bleiben und zu hoffen, dass es irgendwie besser werden könnte!

Manchmal muss man halt weg, will nicht versauern, möchte was anderes, sich weiterentwickeln, hat von einem Thema genug, manchmal auch von den Leuten. Das ging mir selbst mehrmals so.

Und heute begleite ich Menschen dabei, die Lust auf Veränderung haben, die ihre Gestaltungsspielräume entdecken und nutzen möchten. Denn die Lust auf Veränderung braucht für den Prozess der Veränderung noch einen Rahmen, braucht Zeit, Struktur, Verständnis, Verbündete, Raum, Geduld, Ausdauer, Visionen. Nur eben nicht so sehr Mut.

Neulich fragte mich mal wieder jemand nach Statistiken, und überhaupt, wie viele  Leute wie schnell nach dem Training bei FJM einen Job gefunden hätten. Meine Antwort:

“Wir führen keine Statistik, da sich der Erfolg des Trainings nicht in Zahlen ausdrücken lässt. So kann es aus unserer Haltung und Sicht heraus z.B. sogar manchmal einen viel größeren Erfolg darstellen, wenn ein Teilnehmer im Anschluss an das Training endlich seinen bisherigen Job kündigt, der ihn krank macht und weil der nicht zu ihm passt ….um mit neuer Perspektive und neuen Ideen nach etwas anderem zu recherchieren mit der FJM Methode.  Für uns kann es auch ein Zeichen für das Gelingen, den Erfolg unseres Wirkens sein, wenn jemand nach dem Training bei uns seinen Job kündigt.”

Und was ich hier nicht unerwähnt lassen möchte, einfach weil ich das Bild sehr mag und mir Kurs-Teilnehmerin vorgestern frisch zitierte: Barbara Sehr soll gesagt haben: “Wenn Dein Haus brennt, dann rennst Du halt einfach raus – und wartest nicht ab, bis Du eine neue Wohnung gefunden hast.”

Das hat mit Mut nicht viel zu tun, oder?

 

Hier der Link zur Blogparade:

Blogparade: #MutzumJobWechsel

 

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